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Zinsmeinung

Zinsmeinung und Währungsprognose – 4. Quartal 2008

Im zweiten Quartal haben sich die Wachstumsraten der hier betrachteten Volkswirtschaften, mit Ausnahme der USA, stark abgeschwächt. Für den weiteren Jahresverlauf ist aufgrund der Zuspitzung der Finanzmarktkrise mit einem Rückgang in den Wachstumsraten zu rechnen. Der weitere Konjunkturverlauf und somit der Zeitpunkt eines Konjunkturaufschwungs wird wesentlich von der Dauer der Finanzkrise und auch den wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen abhängen. Die Konjunkturindikatoren befinden sich  nahezu weltweit in einem Abwärtstrend. Die Inflationsraten, die in der ersten Jahreshälfte noch das beherrschende wirtschaftspolitische Thema waren, ließen zuletzt erstmals einen Trendwechsel erkennen. Aufgrund niedrigerer Energie- und Nahrungsmittelpreise, einem positiven Basiseffekt und den deflatorischen Wirkungen der Finanzkrise sollte sich für die kommenden Monate eine signifikante Abschwächung in den Inflationsraten ergeben. Für Japan ist eine Rückkehr in die Deflation nicht auszuschließen.

In einem gemeinsamen Versuch, die Finanzmärkte wieder zu beruhigen, senkten die Fed, die EZB und die SNB und einige andere Notenbanken in einem koordinierten Schritt ihr jeweiliges Leitzinsniveau am 8. Oktober um 50 bzw. 25 Basispunkte. Lediglich die Bank von Japan nahm an dieser Maßnahme nicht teil und beließ ihren Schlüsselzins auf dem ohnehin niedrigen Niveau von 0,5 %. Kurzfristig erwarten wir nun keine weiteren Leitzinssenkungen durch Fed, BoJ und SNB. Lediglich die EZB könnte unter Umständen noch 2008 einen weiteren Zinsschritt setzen. Die Wachstumsraten dürften in den kommenden Quartalen deutlich unter Potenzial bleiben. Die Geldmärkte kamen infolge des Zusammenbruchs der Investment Bank Lehman Brothers stark unter Druck Die Aufschläge gegenüber den jeweiligen Leitzinsen weiteten sich vor allem in den USA und der Eurozone drastisch aus. Da wir die Krise noch einige Zeit andauern sehen, ist erst mittelfristig mit einer leichten Entspannung an den Geldmärkten zu rechnen. Ausmaß und Zeitpunkt dieser Entspannung werden jedoch auch wesentlich von den zu treffenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen abhängig sein.

Staatanleihen sollten in den nächsten Wochen als „sichere Häfen“ gefragt sein, ihre Renditen sollten weiter fallen. Erst mittel- bis längerfristig ergibt sich durch die hohe Emissionsaktivität der Staaten im Zuge der Konjunkturabschwächung leichtes ein Anstiegspotential. Dieser Effekt sollte in Japan und der Schweiz geringer ausfallen als in den USA und der Eurozone. Die Aufschläge am Markt für Unternehmensanleihen bleiben hoch oder steigen sogar weiter an, wenn mit der konjunkturellen Abkühlung nun auch die Ausfallsraten steigen und der Refinanzierungsbedarf der Banken aufgrund des Auslaufens zahlreicher Emissionen zu einer steigenden Nachfrage nach Risikokapital führt, während die Risikobereitschaft der Investoren verhalten ist.

Prognoseergebnisse
Zinsen und Renditen:

 USA  10.10.08  Dez.08  Mar.09  Sep.09
 Leitzins  1,50  1,50  1,50  1,50
 3M  4,82  3,10  2,50  2,30
 10J  3,81  3,60  3,70  3,80

Eurozone  10.10.08  Dez.08  Mar.09  Sep.09
 Leitzins  3,75  3,50  3,00  3,00
 3M  5,38  4,90  3,90  3,70
 10J  3,93  3,65  3,60  3,80

 Schweiz  10.10.08  Dez.08  Mar.09  Sep.09
 Leitzins  2,00 - 3,00  2,00 - 3,00  1,50 - 2,50   1,50 - 2,50
 3M  3,13  2,85  2,30  2,20
 10J  2,66  2,60  2,60  2,70

 Japan  10.10.08  Dez.08  Mar.09  Sep.09
 Leitzins  0,50  0,50  0,50  0,50
 3M  1,08  0,90  0,85  0,85
 10J  1,54  1,50  1,50  1,60

Währungen:
   10.10.08  Dez.08  Mar.09  Sep.09
 USD je EUR  1,3538  1,40  1,34  1,32
 CHF je EUR  1,511  1,51  1,53  1,54
 JPY je EUR  133,94  137,20  136,68  138,60
 JPY je USD  98,89  98,00  102,00  105,00

Zinsmeinung und Währungsprognose 4. Quartal 2008 (Langfassung): download  (pdf, 482 KB)