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2005

18. Mai 2005

HELFEN: Ein SPAGAT zwischen MACHT und MORAL

Was tun wir, wenn wir helfen? Ist Hilfe – das Geben und Nehmen – per se positiv? Warum läuft es bisweilen schief? Warum wird Hilfe von jenen, denen geholfen wird, oft negativ empfunden? Ist ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen möglich?
Wer helfen will oder Hilfe zu verantworten hat, sei es auf privater oder institutioneller Ebene, wird sich solchen und weiteren Fragen zu stellen haben. Im öffentlichen Diskurs ist dieses komplexe und kontroverse Thema jedoch noch immer ein Tabu.
Das Spenden und Helfen ist positiv besetzt. Würde das Positivimage des Helfens angekratzt werden, wären damit fatale Folgen für die Spendenfreudigkeit zu befürchten. Medien und Hilfsorganisationen, die, wenn es um Spendengeld geht, oft eine Tandemgemeinschaft bilden, sind daher gleichermaßen interessiert, die „heile Welt des Helfens“ aufrecht zu erhalten. Und so bleiben viele Schwierigkeiten, die der Logik des Helfens inhärent sind und mit der Psychologie des Gebens und Nehmens zu tun haben, „unter der Decke“ und abseits des öffentlichen Bewusstseins. Viele Menschen empfinden bereits Unbehagen über diesen Status quo und reagieren daher skeptisch auf Spendenaufrufe großer Organisationen. Der mediale Einsatz, um Spenden zu lukrieren, muss immer größer werden… Eine sinnvolle Weiterentwicklung der humanitären Hilfe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wird dadurch nicht gefördert.
Am 18. Mai 2005, um 18.00 Uhr, bietet die Investkredit Bank AG in Wien die Möglichkeit, das Thema „Helfen“ – jenseits von Schuldzuweisungen – umfassend zu diskutieren. Unter der Ge-sprächsführung von Dr. Peter Huemer wird auch das Publikum eingeladen sein, seine Beiträge zum Thema „HILFE VERANTWORTEN – UNVERANTWORTLICH HELFEN“ darzustellen. Impulse zu dieser Diskussion geben die deutsch-französische Wissenschafterin Dr. Catherine Götze, die ARD-Journalistin Claudia Sautter, der Direktor der Caritas Wien, DDr. Michael Landau, die Filmemacher Dr. Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl, und der Gastgeber des Abends, Dr. Wilfried Stadler. Im Rahmen des INVEST-Gesprächs wird auch eine Ausstellung von 200 Kinderzeichnungen eröffnet, die von Kindern des zerstörten Fischerdorfes Maradana/Beruwala in Sri Lanka stammen.
Dr. Elisabeth Guggenberger und Helmut Voitl waren Zeugen, als der Tsunami das Dorf Maradana/Banderawatte zum Ruinenfeld machte. Das bekannte österreichische Filmemacher-Duo entwickelte aus einem spontanen Mitgefühl das Hilfsprojekt „Give Hope“, das mittlerweile in finanzieller Kooperation mit „Nachbar in Not“ und „Caritas-Austria“ realisiert wird. „Give Hope“ steht für den Wiederaufbau des Fischerdorfes Maradana/Beruwala an der südwestlichen Küste Sri Lankas und für die Schaffung neuer Existenzgrundlagen der dort lebenden Bevölkerung, z.B. durch die Anschaffung von Booten, Motoren und Netzen. Nach Wochen der Arbeit in Maradana kamen Voitl/Guggenberger Mitte April mit der Erkenntnis nach Österreich zurück: Die Hilfsinitiative „GIVE HOPE“ kann und darf sich nicht länger als reine Tsunami-Hilfe verstehen – die sozial benachteiligten Familien eines Dorfverbandes müssen in Hilfsprojekte integriert werden. Mit der Absicht, die Schwierigkeiten des Gebens und Nehmens zu beleuchten, begleitet das Filmemacher-Duo seit Beginn die einzelnen Entwicklungsphasen von „GIVE HOPE“ mit der Kamera. Erste Segmente des geplanten 90-minütigen Dokumentarfilms über die widersprüchliche Welt des Helfens werden ebenfalls erstmals gezeigt.
Claudia Sautter, Krisenreporterin für Sondereinsätze der ARD, wird darüber berichten, was sie als das „Klondike-Verhalten der internationalen NGOs“ beobachtet hat: „Helfen ist ein Business wie jedes andere auch. Es geht um Jobs, um  Spendenmaximierung, um Image und Reputation. Die NGOs wissen das ganz genau und verhalten sich entsprechend. Nicht minder wichtig ist Hilfe im Katastrophenfall für nationale Regierungen. Wie rasch, wie professionell, wie medienwirksam westliche Regierungen helfen, daran ist heutzutage auch politische Legitimität geknüpft. Wähler honorieren ‚helfendes’ Regierungsverhalten."
DDr. Michael Landau vertritt die Position und Erfahrung einer professionell arbeitenden Hilfsorganisation. Entsprechend dem Selbstverständnis der Caritas heißt es „Not sehen und handeln. Dazu gehören offene Augen, ein offenes Herz – aber auch ein wacher Verstand und ein klares Bekenntnis zur Professionalität. Die Hilfe muss gut sein – und nicht nur gut gemeint. Das setzt auch Respekt vor der Würde des anderen voraus und den Willen in partnerschaftlicher Haltung Chancen und Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren".
Dr. Catherine Götze, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, ist sicher provokant, wenn sie sagt, humanitäre Hilfe sei per se als „hegemonial“ anzusehen. Zum einen durch die Logik der Hilfe selbst, zum anderen durch den Reichtum (der „westlichen Industrieländer“), der die Hilfe überhaupt erst möglich mache. Auch humanitäre NGOs repräsentierten laut Dr. Götze daher vorwiegend die Macht der Reichen über die Armen: „Die gute Absicht der humanitären Hilfe hat sich durch die komplexe Lage von Abhängigkeit und Machtstrukturen längst zu einem Symbol der Macht verkehrt!“
Was also tun? Helfen – ein Spagat zwischen Macht und Moral? Eine Standortbestimmung, die an der Zeit ist: Nie zuvor wurde auf eine Katastrophe mit so viel Geldmitteln und Hilfsaktionen reagiert, wie auf den Tsunami vom 26. Dezember 2004.
INVEST-GESPRÄCH „HILFE VERANTWORTEN – UNVERANTWORTLICH HELFEN“
Mittwoch, 18. Mai 2005, um 18 Uhr, in der Investkredit Bank AG
1010 Wien, Renngasse 10
Kontakt/Anmeldung: Mag. (FH) Gabriela Schweiger
Tel: 1/53 1 35-983

Fragen bitte an:
Dr. Elisabeth Guggenberger, Tel. 0664-2133103
Helmut Voitl , Tel. 0664-5453438